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Tagung in Krefeld: Das Bauhaus und die Industrie

7. November 2018 von Natalie Dickmann

Pressemitteilung des Vereins Projekt MIK e.V., Christiane Lange


„Das Bauhaus will Architekten, Maler und Bildhauer aller grade je nach ihren Fähigkeiten zu tüchtigen Handwerkern oder selbständig schaffenden Künstlern erziehen und eine Arbeitsgemeinschaft führender und werdender Werkkünstler gründen, die Bauwerke in ihrer Gesamtheit (…) aus gleich geartetem Geist heraus einheitlich zu gestalten weiß.“

Die Leitidee stand bereits im Gründungsmanifest des Bauhaus’ von 1919:  Kunst nicht nur für das Museum produzieren, sondern mit Kunst die reale Welt gestalten.

Und das Versprechen wurde eingelöst: Im Bauhaus wurden Möbel entworfen, die bis heute Verkaufsschlager sind. Das Bauhaus kooperierte auch mit Tapetenfabriken, mit Herstellern elektrischer Leuchten, mit Keramikfirmen und einer Ofenfabrik. So kam das Etikett vom Bauhaus-Design in die Welt und die von Bauhaus-Künstlern entwickelten Produkte zieren heute Häuser und Wohnungen auf der ganzen Welt. Was aber erhoffte sich die Industrie von der Zusammenarbeit mit dem Bauhaus und seinen Künstlern? Eine von Projekt MiK e.V. veranstaltete Tagung in Krefeld gibt Einblick in dieses noch weitgehend unerforschte Gebiet.

Der von dem Düsseldorfer Architekten Bernhard Pfau entworfene Hochschulbau der ehemaligen Textilingenieurschule (TIS) ist Veranstaltungsort der am 16./17. November stattfindenden Tagung. Der Ort eignet sich perfekt für eine solche Veranstaltung. Pfaus kühner Bau ist ein herausragendes Beispiel für die Nachkriegsmoderne, die in den 1950er Jahren an die Avantgarde der Weimarer Republik anzuknüpfen versuchte. Und in dem Gebäude lehrten der ehemalige Bauhaus-Meister Georg Muche und Bauhaus-Absolventinnen wie Elisabeth Kadow und Immeke Schwollmann-Mitscherlich, die man auf Wunsch der Krefelder Seidenindustrie bereits vor dem Krieg nach Krefeld geholt hatte.

Auf der Tagung „Die Industriekooperationen des Bauhauses – zwischen Innovationswille und Imagewerbung“ geben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die an dem von der Gerda Henkel Stiftung unterstützten Forschungsprojekt map 2019 Bauhaus – Netzwerk – Krefeld beteiligt sind, Einblicke in ihre Untersuchungsergebnisse. Im Mittelpunkt steht dabei das Interesse der Krefelder Seidenindustrie an den am Bauhaus ausgebildeten Gestaltern. Aber auch andere Industriebranchen, die mit dem Bauhaus kooperierten, werden vorgestellt (Glas, Steingut, Kaffeemaschinen). Und es wird thematisiert, wie die örtliche Industrie die Modernisierung der Gestalter-Ausbildung vorantrieb, indem sie Bauhäusler als Fachlehrer anwarb.

Angeschnitten wird auch die von der Forschung erst bruchstückhaft beantwortete Frage, wie sich die 12 Jahre der Nazi-Diktatur auf die Entwicklung des Designs auswirkten. Viele Bauhäusler, die als Künstler von den Nazis verfemt und drangsaliert wurden, konnten zwischen 1933 und 1945 als Gestalter für die Industrie oder als Fachlehrer in Deutschland arbeiteten. Der Einfluss der Industrie schützte sie vor Verfolgung.

Das Programm und alle nötigen Informationen sind dem Tagungsflyer zu entnehmen: http://projektmik.com/wp-content/uploads/Folder_Tagung_map_2409.pdf

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Eine persönliche Anmeldung ist allerdings nötig:
Telefon 0163 888 0916
E-Mail office@projektmik.com

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